Warum MaaS auch IaaS braucht – «Wer ‘A’ sagt..»

Mobilität braucht Infrastruktur. Diese Wahrheit ist leicht nachvollziehbar – für Autos braucht es Strassen, Verkehrsschilder, Ampeln und Parkplätze, für Züge Haltestellen und Schienen, für Fahrräder Radwege und Abstellplätze und natürlich die Gehwege und Übergänge für Fussgänger. Obwohl die Notwendigkeit nachvollziehbar ist, heisst es noch lange nicht, dass es einfach ist moderne und innovative Infrastruktur zu schaffen. Die Mobilitätsinfrastruktur steht darum zunehmend unter Druck und in der Kritik – besonders im urbanen Raum. Warum ist das so?

Auf der einen Seite existiert dieser Sektor in der Domäne der öffentlichen Hand und zudem noch in einer Branche mit sehr langen Zyklen – der Baubranche. Stadtplanungen und Verkehrsplanungen kooperieren mit politischen Organen, welche die Investitions- und Budgetentscheide verantworten, welche wiederum häufig ausführende Organe der Stadtverwaltung mit der Planung und Umsetzung beauftragen. Begrenzte Kapazitäten und Kompetenzen führen ausserdem zu einer Auslagerung an externe Parteien, was zu weiterer Komplexität in den Projekten führt. All dies resultiert in oft jahrelangen Reaktionszeiten von Bedarfserkenntnis bis zu Umsetzung von Massnahmen.

Auf der anderen Seite entwickeln und verändern sich die Bedürfnisse der ‘Reisenden’ rasant. In urbanen Zentren sind multimodale Mobilitätskonzepte auf dem Vormarsch. Das Auto ist dort auf dem Rückzug und neue Technologien wie u.a. der E-Bike Boom schaffen neue Herausforderungen an die Infrastruktur. Mobilität wird zudem zunehmend als Dienstleistung empfunden und auch konzeptionell gedacht – als Mobility-as-a-Service (MaaS). Der stolze Autobesitzer wird zunehmend durch den convenience getriebenen Mobilitätsnutzer ersetzt. Um MaaS zu ermöglichen und zu vernetzten bedarf es nicht nur realer greifbarer Infrastruktur, sondern auch digitaler Infrastruktur – ein Hybrid der sich “Smart Infrastructure” nennt.

Im Bereich der Mikromobilität, konkret Smart Infrastructure für E-Bikes und Fahrräder, hat das Schweizer Unternehmen V-Locker AG nun den nächsten Schritt gewagt – Infrastruktur als Dienstleistung oder IaaS. Um den Gemeinden und anderen Mobilitätsintegratoren den Weg für innovative Lösungen zu bestehenden Problemen zu ebnen, stellt das Unternehmen das Rad-Park-System V-Locker zur Verfügung. Es besteht aus automatischen und digital vernetzten Turmmodulen, welche als temporäre Leichtbauinfrastruktur platziert werden können. Eine IoT-Plattform ermöglicht einerseits den Nutzern Zugriff auf die Infrastruktur und andererseits den Kommunen und Verkehrsplanern Einblick in das Mobilitätsverhalten der Bürger. Somit wächst die Infrastruktur schnell und organisch dort wo das Bedürfnis entsteht. Das modulare Konzept bietet die Vorteile der Nutzung von technischer Best-practice und Anpassungen an lokale Besonderheiten, wie die Integration in bestehende Plattformen und Mobilitätsangebote.

Damit trägt das Konzept schlussendlich dem Grundproblem von Infrastrukturentwicklung Rechnung – Aktualität und Flexibilität. Wenn das Mobilitätsverhalten sich rasant entwickelt und verändert, muss es die Infrastruktur auch tun können.

5th March 2021

J. Kirchhoff